Amante
Am grauen Strand
am grauen Meer
liegen wir
mit Meersalz in den Haaren.
„Ich würde dich gerne malen“
und ich wollte nicht nachfragen.
Zu sehen wie deine Finger den Stift halten
und deine Augen meine fokussieren,
doch nicht um sich zu verlieren,
- im Gegenteil,
um sie zu studieren.
Um sie auf dem Papier in deinen Händen abzubilden,
ich erwidere deinen Blick,
leicht fällt es mir nicht.
Ich bin fasziniert von dem Ausdruck in deinen Augen,
der kommt, wenn du konzentriert versuchst
meine Essenz aufzusaugen.
Ich bemerke deinen kleinen Finger,
der so groß ist wie der daneben,
weiß wie es sich anfühlt,
wenn du beginnst sie nebeneinanderzulegen
und will dich ehrlicherweise,
ohne Pinsel in deinen Händen sehen
und ohne Pullover, der dir so gut steht,
ein dunkles Blau übersät mit Pinselstrichen
in orange, türkis und gelb,
ich würde das Schlüsselbein darunter gerne küssen.
Aber nicht nur das
ich würde jeden Farbfleck auf deiner Haut berühren
und dich weg vom Meer, der Realität führen.
An einen Ort, an dem nur wir beide Künstler sind
damit dann, was ganz Wunderbares beginnt
und wir Haut um Haut
Schuppe um Schuppe
ablegen
neugierig sind,
wem wir darunter begegnen.
Ich schließe meine Augen und fühle
Salz auf meinen Lippen,
während ich deine spüre.
Hände, die nach meinem Schlüsselbein fassen,
soll ich dir etwa die Palette zu meinen Farben lassen?
Und dann beginnst du mich zu malen,
mit groben Streifen,
die Farbe muss für uns beide reichen
und ich gebe ab,
will bei dir bleiben
und spüren -
wie ich Wellen schlage,
einatme
Atem halte,
mich zusammenziehe,
abschalte.
Bebe – wie das Meer bei Flut,
deine Anwesenheit tut mir gut
und deine Haare vernebeln meinen Sinn,
ich vergesse nicht wo,
sondern nur wer ich jetzt bin.
[…]
Du hast deinen Anstrich auf mir hinterlassen,
ich – beschäftigt damit, aufzupassen,
nicht abzufärben.
Bei mir bleiben deine Töne und blauen Facetten,
während du die Pinsel packst
und ich mich frag:
„Wen wirst du als nächstes unter Farben entdecken?“