Nonverbal

Und wir reden nonverbal,
weil es für das, was zu bereden war
keine Worte mehr gab.
Wir schauten uns an,
eine lange Zeit,
da die Zeit reicht.
Dann hebt sich deine Hand
und sie streicht
Streicht sanft über meinen blonden Haarschopf
und ja,
das reicht mir zum Glücklichsein.

Und ich schau in deine Augen,
schau' sie mir ganz genau an
und merke,
sie sind gar nicht Vergissmeinnicht
(blau) und auch nicht Wasserdicht.

Aber wunderschön.

Ein helles blau,
gesprenkelt von kleinen weißen Tupfen und
umrandet von einem angenehmen Fliederton.

Ich würd sie gern noch weiter beschreiben,
doch du schließt sie und tust so,
als schliefen sie schon.

Deine Wimpern werden dunkler
und irgendetwas glitzert,
wenn man genau hinsieht
Und ja du willst mir deine kristallklaren Tränen nicht zeigen
denn du willst nicht unter Schwäche leiden.

Ich weiß nicht, was ich tun soll
drum schweig ich,
und denke.
Ja, ich denke ganz genau nach
auch wenn ich dabei viel zu viel Zeit verschenke
denn sie ist nichts, was bleibt.

Drum gebe ich dir nur einen sanften Kuss
und weiß, dass du alleine
weiter machen musst
auch wenn ich dein Leid
und dein Kummer,
nur schwer ertrage...

Dann räusperst du dich
und flüsterst
(Ja, hier flüstern wir)
"Halbwissen ist am Schlimmsten,
danach kommt Ganz wissen,
das ist auch nicht gut, aber angenehmer
und am Besten ist Unwissen...."

"Ja. Und ich bin halb wissend."

Darauf schweigst du,
aber es ist ein angenehmes Schweigen,
nämlich das, was ich gewohnt bin...
Also nehme ich es ohne zu fragen hin
und dann unterbrichst du die vertraute Stille:

"Davor wollt ich dich schützen, aber ich kann und werde nicht der sein, der dich Wissen lässt."

Das akzeptiere ich
und will dir Zeigen,
zeigen, wie schön du bist
und sagen, dass ich dir vertraue.
denn das tue ich.

Ab da stellen wir die Gespräche ein,
da ich mich nicht traue,
dir mitzuteil'n,
dir zu vertrau'n

Und wir reden nonverbal,
weil es für das, was zu besprechen war
keine Worte mehr gab.
Wir blickten uns an,
eine lange Zeit,
da die Zeit reicht.
Dann rückst du zu mir ran
Schaust dir meine Tränen an
und wischt sie
wischst sie vorsichtig fort
und ja,
das reicht mir zum Glücklichsein.

Und dann schlafen wir.
Ich in deinem Arm
meine Hand in deiner
Und du verzeihst mir.

Für all die unausgesprochenen Worte.

Wir müssen noch so viel kennen lernen
Zuerst uns
dann ich dich
du mich
und dann
Wie es sich anfühlt, sich ohne Schmerz vom andren zu entfernen.

Ich bleib bei dir, denn so schnell wirst du mich nie wieder los
nun leb ich den Moment, jede Sekunde mit deiner Anwesenheit,
weil ich weiß, dass es sich lohnt
Bin die Einsamkeit leid und mit dir findet mich endlich die Zeit
die meine Wunden heilt.

Auch wenn wir eine schützende Wand aus Lügen um uns bauen
weil wir glauben, sie würde uns vor der Enttäuschung anderer bewahren
Reife, reift doch nicht allein mit den Jahren
Trotzdem lässt du mich hinter deine Fassade schauen.

Und ja, ich mag den Menschen, der da hinter sitzt
Auch wenn du ihn nicht magst
Und dich über diesen teil von dir beklagst
so macht er dich doch zu dem, der du bist.

Und wir reden nonverbal,
weil es für das, was zu bereden war
keine Worte gibt.
Wir sahen uns an,
eine lange Zeit,
da die Zeit reicht.
Dann ziehst du mich zu dir und küsst mich
Küsst mich behutsam, fast schon andächtig
und ja,
das reicht mir zum Glücklichsein.

Es wird still, wir schweigen,
da schon alles gesagt ist
ich seh dir noch einmal in die Augen
und weiß, dass du diesen Tag nur schwer vergisst

Ich könnt' noch ewig mit dir liegen bleiben,
weil in deinem Bett die Welt noch in Ordnung ist.
©Alina Jacobs

May 24, 2016, 3:02 p.m. alina